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| INFORMATIONEN | |
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Jeder ist verdächtig - Alfred ZiermayrAusgewählte Kurzgeschichten und Satiren(Verlag Federfrei) ISBN-13: 9783950237061 Referenz-Nr.: SP-372-877 Ausstattung: Taschenbuch Umfang: 154 Seiten, 20 Kurzgeschichten und Satiren Veröffentlicht: 2008 Preis: 11,90 EUR inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten Rabatt: 9,90 EUR ab Stückzahl: 10 Verfügbarkeit: Lieferbar Lieferzeit: keine Angabe Zum Merkzettel hinzufügen Produkt weiterempfehlen Produktanfrage an den Aussteller senden Mehr über: Alfred Ziermayr Mehr von: Verlag Federfrei Mehr in Produktgruppe: Buch Mehr aus Kategorie(n): Kurzgeschichten, Humor & Satire |
| BESCHREIBUNG |
| Der Kampf um den ersten Platz an der Kassa eines Supermarktes, die nächtliche Jagd nach einer störenden Gelse, der Bau einer Sauna, der Gang zum Chef wegen einer Gehaltserhöhung oder die strittige Frage um das vermeintlich beste Stück des Mannes. Mit Humor und Tiefgang durchleuchtet Alfred Ziermayr seine Protagonisten und lässt uns tief in deren Seele blicken. Es sind alltägliche Situationen, die jeder von uns kennt - und Verhaltens-muster, in denen sich vielleicht jeder von uns ein bisschen wiedererkennt. Denn schließlich: Jeder ist verdächtig. |
| LESEPROBE |
| Die Bildmontage Ich habe ein Bild gekauft – für unser Wohnzimmer, etwas Modernes, Avantgarde, wie mir die Verkäuferin kundig erklärte. Ein abstraktes Gemälde eines fortschrittlichen Spaniers – natürlich nur Kunstdruck, trotzdem sehr ausdrucksstark. Aggressiv in der Linienführung, aber doch weich, fast jungfräulich zart in der Farbgebung, Verspielt und Ausgelassen in der Anordnung der Rhomben, Quadren und Dreiecke, und doch wieder streng, fast reaktionär im Gesamtkonzept. Eine sehr widersprüchliche, darum aber umso interessantere Schöpfung auf dem Höhepunkt der Selbstfindungsperiode des Meisters...Hat mir alles die Verkäuferin erklärt. Ich war sehr angetan von der Verkäuferin – auch von ihrem Sachverstand über Bilder... Ich kaufte also das Gemälde samt Rahmen, eine Überraschung für meine Frau. Hach, meine Liebste würde sich freuen! Ein bisschen Flair, ein bisschen Mondänität, ein bisschen Hauch von großer Kunstwelt in unser Wohnzimmer – gehört doch die Malerei seit jeher zu den heimlichen Leidenschaften meiner Frau! Jetzt musste das Bild nur noch an die Wand. Kleinigkeit! Planung ist alles! Erst einmal eine Liste anlegen, welches Werkzeug und Material man für so einen Eingriff benötigt. Viele Heimwerker erliegen ja der Versuchung einfach wild drauf los zu arbeiten, das ist natürlich völlig verkehrt, und, Verzeihen Sie, auch etwas diletantisch. Der Profi konsultiert erst seinen Verstand, geht im Geiste die Problemstellung systematisch durch, sieht Tücken und Fallstricke schon im Vorhinein und ist Herr und Meister seiner Begeisterung und Leidenschaft. Nur ein kühler, über den Dingen stehender Geist ist Garant für das Gelingen eines Werkes! Das Bild sollte über der Wohnzimmercouch hängen, und zwar genau über der Mitte der Couch – kurz Bildmitte über Couchmitte also. Verstehen sie, was ich meine? Der Amateur wäre gleich drauf losgestürmt, hätte sein mehr oder minder gutes Augenmaß zu Rate gezogen, einen Nagel in die Wand gedonnert (wobei, nebenbei bemerkt, sicher eine Menge Putz auf dem Parket gelandet wäre), das Bild draufgehängt und letztlich festgestellt, dass er, so wie es hängt, nicht zufrieden ist. Also das ganze von vorne, der Himmel weiß wie oft! Ganz anders der Könner: Maßband und Waage ist ihm Ehre und Gebot! Niemals würde er sich auf die Unzulänglichkeit seines Auges verlassen. Merke: Dem „echten“Heimwerker ist Maßband und Waage, was dem Priester die Bibel und dem Wissenschaftler das Mikroskop ist! Nun gut, „Carpe Diem“, wie der Schaffende zu sagen pflegt. An Werkzeug würde ich benötigen: Maßband, Wasserwaage, Bleistift, Schraubenzieher, Handstaubsauger, Stehleiter, Verlängerungskabel und die Bohrmaschine, bestückt mit einem Fünfer-Videobohrer. Bohrmaschine deswegen, weil das Bild ziemlich schwer ist und ich es daher aufbohren werde. An Material würde ich benötigen: Zwei Dübeln Größe fünf, zwei Schrauben Größe sechs, zwei Aufhängungen nebst vier Nägel, Länge je ein Zentimeter plus einem Ersatznagel für alle Fälle. Finito. Werkzeug und Material fein säuberlich in der Reihenfolge ihrer Benützung auf einem Beistelltisch zurechtgelegt, los geht’s. Schritt eins: Wandmitte ausmessen und von der Decke herabmessen um die Höhe bzw. Mittigkeit des Bildes zu gewährleisten, mit Bleistift markieren, Bild anhalten und überprüfen ob die Höhe konveniert, im Bedarfsfall korrigieren. Schritt zwei: Von den beiden Rahmenaußenkanten des Bildes hereinmessen und die Aufhängungen anbringen. Schritt drei: Bohrstellen mit Hilfe von Maßstab und Waage ausmessen und markieren. Schritt vier: Bohrmaschine startklar machen, anwerfen und...! Oii je, das Mauerwerk ist mürb wie ein Mamorkuchen, das Bohrloch gleicht einem regelrechten Krater, da würde der Dübel wohl kaum halten. Ich versuche es etwas weiter oben, dasselbe in Grün. Einen Versuch riskier ich noch – lässt sich gut an, ja, jaaa... Rumms, ein Blitz, ein Krachen – ein Kurzschluss, Saperlott!, ich habe die Lichtleitung angebohrt. Na gut, die Elemente haben sich also gegen mich verschworen, soll sein, so etwas weckt nur meine Entschlossenheit, ich würde eben ein neues Kabel einziehen. Lampe heruntergeschraubt, im Verteilerkästchen die defekte Leitung abgeklemmt, das neue Kabel daran angehängt, durchgezogen Lampe angeschlossen, Drähte zusammengeklemmt Schutzschalter eingeschaltet, Lampe brennt, - die über dem Wohnzimmertisch, die Wandbeleuchtung bleibt blind. Verflixt ich hab die falsche Lampe erwischt. Also, das ganze noch einmal von vorne: Lampe runter, Leitung abgeklemmt (diesmal die richtige!) neues Kabel eingezogen, angeklemmt, Lampe angeschlossen, aufgehängt, funktioniert, dem Himmel sei Dank! Das Bild! Tja, mir würde wohl nichts anderes übrigbleiben, als die Bohrstellen auszustemmen und die Dübeln einzugipsen! Natürlich habe ich keinen Gips zu Hause. Ich fahre also zum nächsten Baumarkt und besorge drei Kilo. War nicht ganz einfach den zu finden. An der Kasse, natürlich!, eine lange Schlange vor mir. Auf der Rückfahrt vom Baumarkt, nicht zu fassen!, Verkehrskontrolle, zu schnell! Ich erkläre dem Beamten den Sachverhalt, apperliere an sein Verständnis – kein Erbarmen! Gut, daß meine Frau erst am Abend nach Hause kommt. Das Wohnzimmer sieht aus wie eine Großbaustelle, aber wo gehobelt wird fallen eben Spänne, nicht wahr?! Aber jetzt! Löcher ausgestemmt. Gips angerührt – Himmel, wo ist die Spachtel?! Seis drum, die Not kennt keinen Stolz. Ich nehme den Tortenheber meiner Frau! Also: Gips angerührt, Löcher ausgefugt – mit dem Tortenheber!, Dübeln reingedrückt, warten. Der Gips sollte innerhalb fünf Minuten abgebunden haben und hart sein. Ich warte gute zehn Minuten, in meiner gegenwärtigen Stimmung will ich nichts mehr riskieren. Schließlich drehe ich die beiden Hackenschrauben, Stoßgebete nach oben sendend, vorsichtig ein. Ja..., ja, die Schrauben ziehen an, Gott sei Dank! Ich nehme das Bild und hänge es vorsichtig, ganz vorsichtig auf die Hacken. Wunderbar, wunderbar, exzellente Arbeit, ich kann zufrieden mit mir sein, das Meisterwerk rechtfertigt die Mühe! Jetzt schnell aufgeräumt, meine Frau kann jeden Moment nach Hause kommen. Ganz lässig werde ich ihr erklären, dass ich nur mal eben schnell ein Bild gekauft und auch gleich aufgehängt habe. „Ich hoffe es gefällt Dir“, sage ich ganz souverän, als sie nach Hause gekommen war und weise auf die aggressive Linienführung, die zarte Farbgebung und das strenge, fast reaktionäre Gesamtkonzept hin. „Ein Werk auf dem Gipfel der Selbstfindungsperiode des Meisters“, schließe ich. „Ja, ja, Du hast recht“, entgegnet meine Frau, „wirklich ein sehr, sehr beeindruckender Picasso – nur schade, dass Du ihn verkehrt aufgehängt hast.... |
| PRESSE |
| „Die Protagonisten, die Ziermayr hier vor uns auftreten lässt, sind seelische Stripteasetänzer. Wenn sie ihre Hüllen fallen lassen, tun sich Abgründe auf, die im ersten Moment komisch sind. Aber nur im ersten Moment.“ Oberösterreichische Nachrichten |
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