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| INFORMATIONEN | |
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Deutschlandwunder - kittkritik (Hrsg.)Wunsch und Wahn in der postnazistischen Kultur(Ventil Verlag) ISBN-10: 978-3-931555-71-9 ISBN-13: 978-3-931555-71-9 Referenz-Nr.: SP-1-627 Format: 14 x 19,5 cm Ausstattung: Broschur Umfang: 234 Seiten Veröffentlicht: 1. Aufl. 2007 Erscheinungsort: Mainz Preis: 14,90 EUR inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten Verfügbarkeit: Nicht Lieferbar Lieferzeit: Noch nicht erschienen Zum Merkzettel hinzufügen Produkt weiterempfehlen Produktanfrage an den Aussteller senden Jetzt bestellen bei Amazon.de Mehr über: kittkritik Mehr von: Ventil Verlag Mehr in Produktgruppe: Buch Mehr aus Kategorie(n): Popkultur, Sachbuch, Gesellschaft |
| BESCHREIBUNG |
| Kritik der »Vergangenheitsbewältigung« in der deutschen Gegenwartskultur Seit 1945 sind kulturindustrielle Medien Austragungsort der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. Die Fokussierung auf die deutsche Bevölkerung als Opfer im derzeitigen Boom von Büchern und Filmen, die sich mit dem Alltag im Nationalsozialismus beschäftigen, ist kein neues Phänomen. Aktuell ist aber der Entwurf eines historischen Selbstverständnisses einer nach 1989 entstandenen nationalen Identität, die Auschwitz in die (Re-)Inszenierungen der deutschen Erinnerungsarbeit integriert. Die Berliner Republik ist zu einer Erzählgemeinschaft geworden, in der jeder »Zeitzeuge« und jede »Zeitzeugin« seinen bzw. ihren Platz hat. Diese Tendenz korrespondiert mit einer stärkeren Öffnung von Jugend- und Populärkultur hin zu nationalen und historischen Themen. In der Musik, im Computerspiel oder im Hörspiel werden jene Geschichtsbilder mitverhandelt, die auch auf der Kinoleinwand und im Fernsehen zu bewundern sind. Auf der medialen Bühne der nationalen Inszenierung hat die dritte Tätergeneration einen privilegierten Platz. Die neue Unbefangenheit im Umgang mit der Geschichte, in der Auseinandersetzung mit den Erfahrungen der eigenen Großeltern, der Wunsch, bei der Weltmeisterschaft auch einmal unbeschwert »Schwarz-Rot-Geil« zu sein, macht diese Generation zum Protagonisten eines neuen postnazistischen Nationalgefühls. »Deutschlandwunder – Wunsch und Wahn in der postnazistischen Kultur« untersucht die Bedeutung von Familie, Generation, Geschlecht, das Verhältnis von Individuum und Masse, von Antisemitismus und Opferdiskurs in Literatur, bildender Kunst, Popmusik, Hörspiel, Film und Computerspiel von den Fünfzigern bis in die Gegenwart. Mit Beiträgen von Dietrich Kuhlbrodt, Magnus Klaue, Sonja Witte, Lars Quadfasel, Tobias Ebbrecht, Julia Anspach u. a. |
| INHALTSVERZEICHNIS |
| kittkritik: Nationales Vergangenheitsrecycling in der deutschen Gegenwartskultur GEILE NAZIS Dietrich Kuhlbrodt: The Nazis. Christian J. Heinrich: Weißnichtwo, weißnichtwie, weißnichtwann. Über Günter Grass’ Beim Häuten der Zwiebel. Sebastian Winter: Arischer Antifaschismus. Geschlechterbilder als Medium der kulturindustriellen Bearbeitung der Erinnerung an den Nationalsozialismus am Beispiel der Filme Der Untergang, Sophie Scholl und Napola. 82 MILLIONEN HOOLIGANS Jean-Philipp Baeck / Volker Beeck: Mit Judo gegen Wodka Bruno, Miethai Zinse und Dr. Mubase. TKKG – ein postnazistischer Jugendkrimi. Eric Peters / Dierck Wittenberg: Stars Down to Earth. Über das Verhältnis von Pop, Nation und Künstlersubjekt in Zeiten neuen deutschen Selbstbewusstseins. Lars Quadfasel: Ein Traum von Postfaschismus. Die Deutschen und ihr Fußball. BILDERFOLGEN Julia Anspach: Echte »Äpfele« und falscher Schmuck. Das Begriffspaar ›Echt‹ und ›Falsch‹ in dem Heimatfilm Schwarzwaldmädel und dem NS-Propagandafilm Jud Süß. Antonia Schmid: Der »Feuersturm« als Vollwaschprogramm. Zur Universalisierung des Opfers im Fernseh-Zweiteiler Dresden. Magnus Klaue: Geraubte Zeugenschaft. Täter- und Opferdiskurse in der Holocaust-Literatur – mit besonderem Blick auf Kertész’ Roman eines Schicksallosen und Hilsenraths Der Nazi & der Friseur. OPA WAR EIN NAZI Tobias Ebbrecht: Familienalbum und Familienroman. Zur Neuschreibung der deutschen Familiengeschichten in filmischen Geschichtsfiktionen über den Nationalsozialismus. Lars Lippmann: »Auftrag im Auge des Sturms.« Erfahrungen mit und Reflexionen über das II. Weltkrieg-Strategiespiel Silent Storm. Sonja Witte Das Wunder von Bern. Katharsis der Nation |
| LESEPROBE |
| Auszug aus »Nationales Vergangenheitsrecycling in der deutschen Gegenwartskultur«: Recycling ist das spätestens seit dem Ökoboom der 80er-Jahre bekannte Verfahren, aus Müll Nutzbares zu gewinnen. Unzulässig erscheint in diesem Zusammenhang die euphemistische Gleichsetzung von Müll und Nationalsozialismus, der Anklang an Verwertbarkeit und nutzenversprechende Umarbeitung der deutschen Verbrechen mag gleichwohl zutreffend sein, betrachtet man rückblickend den 60-jährigen Arbeitsprozess der kulturindustriellen Erinnerungsmaschinerie. Verschwindet die alte Bierflasche im Container, erhält sich von ihr keine sichtbare Spur an der neuen Mineralwasserflasche – ein Unterschied zwischen Recycling- und Kulturindustrie und damit die Grenze der Recyclingmetapher: Ob im Film, Popsong oder Massenspektakel einer Weltmeisterschaft – die Deutschen sind zwar bemüht, die deutschen Verbrechen zu ›entsorgen‹, um ohne Sorgen deutsch sein zu können, doch gerade dadurch bewahrt sich in den kulturindustriellen Produkten die Vergangenheit als Erinnerungsspur (im freudschen Sinne) in vergifteter Form. So erhält sich in diesen Umarbeitungen der Wunsch nach der ›Entsorgung‹ als kollektive Schuldabwehr. Diese einer kritischen Reflexion zu unterziehen ist das Anliegen des vorliegenden Buches. Es soll keinen weiteren Beitrag zu einer – sei es geschichtswissenschaftlichen, politischen oder psychologischen – ›Bewältigung der Vergangenheit‹ leisten und tritt der Auffassung von Kultur als Trauerarbeit im Dienste eines erfolgreichen Durcharbeitens bis hin zum Schlussstrich entgegen. Seit 1945 sind Kunst und kulturindustrielle Medien Austragungsort der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. Die Fokussierung auf die deutsche Bevölkerung als Opfer im derzeitigen Boom von Büchern und Filmen, die sich mit dem Alltag im ›Dritten Reich‹ beschäftigen, ist kein neues Phänomen. Aktuell ist aber der Entwurf eines historischen Selbstverständnisses einer nach 1989 neu formulierten nationalen Identität, die Auschwitz in die (Re-)Inszenierungen der deutschen Erinnerungsarbeit integriert. Die Berliner Republik ist zu einer Erzählgemeinschaft geworden, in der jeder ›Zeitzeuge‹ und jede ›Zeitzeugin‹ seinen bzw. ihren Platz hat. Egal ob jüdisches Opfer, sowjetischer Soldat oder deutsche Trümmerfrau: Im deutschen Erinnerungsdiskurs hat sich längst durchgesetzt, dass jede Erfahrung subjektiv und jedes Leid gleichwertig ist. [...] |
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