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» Produktverzeichnis » Buch » Rose Noire

Nachfolgend finden Sie alle bereitgestellten Informationen für das gewählte Produkt. Neben einer ausführlichen Beschreibung und Zusatzinformationen können auch Presseberichte und zusätzliche Dateien zum Download vorhanden sein.

INFORMATIONEN
Rose Noire

Rose Noire - Michael Preissl (Hrsg.)


(Voodoo-Press)

ISBN-13: 978-3-9502701-0-5
Referenz-Nr.: SP-507-1039
Format: 20x13
Umfang: 342 Seiten
Preis: 14,00 EUR inkl. MwSt. zzgl. Versandkosten
Verfügbarkeit: Auf Anfrage
Lieferzeit: keine Angabe

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Mehr über: Michael Preissl
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Mehr aus Kategorie(n): SciFi, Fantasy & Horror


BESCHREIBUNG
Klappentext:

Rose Noire - die schwarze Rose. Die Geschichten in dieser Anthologie tragen wie auch diese seltene Blume, dunkle Schönheiten zur Schau; doch der Leser sei gewarnt, Rosen haben stacheln und die der schwarzen sind besonders tödlich.
(Lars Maria Maly)

mit Beiträgen von:

Arthur Gordon Wolf - Schwarz - Weiße Tode
Arthur Gordon Wolf - Im Labyrinth der Katzen
Michael Knoke - Das Fenster zur Nachtseite
Tobias Bachmann - Die Briefe von Zion
Andreas Gruber - Die scharfe Kante des Geodreiecks
Lars Maria Maly - Die Musik des Erich Z.
Sören Prescher - Der Käfig der Seelen
Sven Kössler - Das Spiel der Alten
Torsten Scheib - Urban Heart
Mark Freier - Wenn alte Pappeln Trauer tragen
David Seinsche - Nacht
David Grashoff - Dämonenbrut
Günter Suda - Der Mönchsrabe
Jörg Kleudgen - Mahrenhaar
Rainer Innreiter - Veränderungen
Kealan Patrick Burke - Snowman


LESEPROBE
Die scharfe Kante des Geodreiecks
Mein Name ist Christian, ich wohne im dritten Stock eines
Altbaus in Erdberg, dem dritten Wiener Gemeindebezirk,
arbeite im Büro einer Marketingfirma, die für TriStar Pictures
Kinoplakate drucken lässt, bin kinderlos und ledig, führe aber
eine Dreiecksbeziehung, die mich ziemlich auf Trab hält.
Da ist einerseits Angelika, die Frau, des dreizehn Jahre
älteren Musikers, aus dem Parterre, die früher mal die Polly,
in Brechts Dreigroschenoper, gesungen hat. Angelika ist
ziemlich mollig, hat bestimmt dreißig Kilo zu viel auf den
Hüften, drei blonde Strähnen im Haar, ist kurzsichtig und trägt
eine Brille mit drei Dioptrien, die sie nicht einmal beim Sex
abnimmt. Woher ich das weiß? Ich habe es zumindest nicht
über drei Ecken erfahren – wenn Sie wissen, was ich meine!
Doch lassen Sie mich weitererzählen.
Auf der anderen Seite gibt es Brigitte, die Magersüchtige
vom oberen Stockwerk, die sich dreimal täglich übergibt,
deren Kinder ständig mit dem Dreirad und einem High-Riser
mit Dreigang-Knüppelschaltung durch den Hof donnern.
Angelika, Brigitte und Christian! Ist es nicht witzig, dass
die Anfangsbuchstaben unserer Vornamen die ersten drei
Buchstaben des Alphabets darstellen? Möglicherweise ein
ironischer Wink auf meine Dreiecksbeziehung! Erstaunlich
viele Dreier in meinem Leben – nicht wahr? – aber warten Sie
es ab, es kommt noch besser.
Angelikas Mann, ein typischer Musiker mit grauem
Dreitagebart, ist Percussionist an der Wiener Volksoper, spielt
dort auf einer Triangel. Ich habe mich erkundigt: Triangel ist
englisch und heißt zu Deutsch Dreieck, so ein Zufall, nicht
wahr? Aber es kommt noch besser. An jedem dritten,
dreizehnten und dreiundzwanzigsten Tag im Monat hat er an
der Oper länger Probe, weswegen er erst um drei Uhr früh
heimkommt. Diese Nächte verbringt Angelika stets mit mir.
Sie hat mir einen dritten Schlüssel für ihre Wohnung
nachmachen lassen, damit ich sie besuchen kann, wenn sie
sich mit den Beinen und einer Hand ans Bett fesselt.
Angelika wurde schwanger, zum Glück nicht von mir, wie
sie mir versicherte. Der Geburtstermin war der 3. März 2003,
na dämmert es bereits? Sie haben es sicher schon erraten.
Richtig! Sie brachte Drillinge zur Welt, drei Mädchen: Anna,
Barbara und Caroline. Und da haben wir sie wieder, unsere
drei Anfangsbuchstaben. Sehen Sie den Zusammenhang?
Alles verläuft im Dreieck.
Bloß alles Zufall, meinen Sie? Na gut, dann passen Sie auf!
Sehen wir uns Brigitte an, die Magersüchtige vom oberen
Stockwerk, da kommt´s noch dicker. Ihr Mann ist Ausländer,
ein Mathematikprofessor, der am Institut für Statistik doziert
und mit der 3er Linie zur Arbeit fährt. Die 3er Linie!
Gecheckt? Noch immer nicht überzeugt? Na gut, dann weiter!
Er weiß natürlich nicht, dass ich etwas mit seiner Frau habe,
d e n n o c h h a b e i c h i h n u n l ä n g s t a u f m e i n e
Dreiecksbeobachtung angesprochen, schließlich ist er
Mathematiker. Von ihm habe ich mir einige hilfreiche
Hinweise erwartet, und er hat mich nicht enttäuscht. Die Drei
sei eine der bedeutendsten Zahlen in der Mathematik, sie
kommt praktisch überall vor, wie er mir erklärte. Man braucht
sich nur zu überlegen, wo die Zahl Pi überall zur Anwendung
gelangt, in sämtlichen Kreisen, Rundbögen und Kugelformen.
Pi ist ständig präsent, in jedem Rad, Rohr, Brillenglas,
Wassertropfen oder Guckloch.
Aber nicht nur Ptolemäus, auch Pythagoras hat etwas
Originelles herausgefunden, nämlich die Dreiecksformel: a2 +
b2 = c2. Zufälligerweise sind a, b und c wider mal die ersten
drei Buchstaben des Alphabets. Wenn wir diesen Lehrsatz auf
meine Beziehung umlegen und annehmen, angelika2 +
brigitte2 = christian2, gäbe das meiner Dreiecksbeziehung
sogar eine mathematische Bedeutung. In diesem Falle wäre
ich selbst die Basis, worauf sich das gleichschenkelige
Dreieck aufbaut. Gleichschenkelige Schenkel! Wie ironisch
witzig doch die Mathematik sein kann, wenn man nur
versteht, die Zusammenhänge zu begreifen! Hätte der
Mathematikprofessor, aus dem oberen Stockwerk, eins und
eins zusammengezählt, dann hätte das zwar nicht drei
ergeben, aber er wäre zumindest dahinter gekommen, dass ihn
seine Frau mit mir betrügt. Doch wie so oft, versperren
Scheuklappen den Blick aufs Wesentliche - und er
verdächtigte den Falschen...
© 2009 Andreas Gruber



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